Bericht - Der Sudetendeutsche Heimatkreis Komotau

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Das Jahr 2016 > Archäologischer Fund
Blick vom Kirchberg auf Neosablitz und Richtung Pragerstraße

Großer archäologischer Fund
im Heimatkreis Komotau
Wiederholt wurden in den letzten sieben Jahrzehnten im Heimatkreis Komotau und darüber hinaus archäologische Funde aus allen Kulturen der Menschheitsgeschichte entdeckt: aus der Jungsteinzeit (5500-4200 v.Chr.) bis zu den Germanen, Römische Kaiserzeit.  
Im Katalog „Blicke in die Vorgeschichte“ zur Dauerausstellung in Komotau, herausgegeben vom Museum in Komotau, ist die Geschichte der Kulturen und die Funde mit Angabe der Orte beschrieben.
Die Fundorte im Kreis Komotau sind: Kaitz, Negranitz, Neosablitz, Neudorf a.d. Bela, Platz, Prahn, Priesen-Stadt, Seestadtl, Sperberdorf, Trauschkowitz, Trupschitz und Witschitz.
Besonders der archäologische Fund in Neosablitz ist bemerkenswert.  Im Jahre 2010 entdeckten Schatzsucher eine germanische Grabstätte auf der Gemarkung Neosablitz an der Pragerstraße auf der höchsten Anhöhe von Horschenz (Flurstück 24, Die achtzehn Beet - siehe Jahrbuch 20, Seite 78). Die folgenden Ausgrabungen im Jahre 2011 legten mehr als 40 germanische Gräber frei. Die meistern waren leider durch langjährige landwirtschaftliche Bewirtschaftung und einige durch laienhafte Ausgrabungen wesentlich beschädigt. Trotzdem konnte die Forschung interessante Bestattungsrituale unserer Germanen beweisen.  Die Gebeine des Verstorbenen wurden in eine Urne gelegt und auf diese oder unter dieser legte man die Grabbeigaben: Fibeln, Gürtelteile, Fragmente eines Knochenkammes, perfekt eingebogene kleine Nadel aus Silber, eiserne Messer, Rasiermesser. Bronzene Schildfesseln und Randbeschläge. Die Waffen wurden neben oder öfter unter die Urne gelegt: Der Schildbuckel eingestochen mit dem Dorn nach unten, auf ihm das vorbildlich zusammengerollte Schwert und Lanzen- oder Speerspitzen. Einige dieser Spitzen waren in der Urne entweder gerade oder verbogen; oder sie steckten daneben. Ihre hölzernen Stiele, die nicht erhalten sind, konnten aus dem Grabhügel emporragen. Als Bestattungsurnen dienten meistens Tonterrinen -  breite tiefe Gefäße, die oft von schweren Landmaschinen zerdrückt wurden. Nur drei Gefäße konnte man vollständig rekonstruieren. Eines davon war am Boden mit einer Swastika versehen – einem uralten Symbol oder dekorativem Element, das in zahlreichen vorgeschichtlichen und frühgeschichtlichen Kulturen vorkommt   Im Jahre 2015 wurde ein reiches Körpergrab mit einer Bronzepfanne, einer Bronzefibel und einer Bronzegürtelschnalle entdeckt.
Die sicher gestellten Gegenstände bei der Rettungsgrabung im Jahre 2011 in den Brandgräbern des germanischen Gräberfeldes der älteren römischen Kaiserzeit, wurden überwiegend in  Brüx und Prag restauriert beziehungsweise rekonstruiert. Bedauert wird, dass bei der Schatzsuche mit Metalldetektoren, in Unkenntnis der archäologischen Verfahren, zum Verlust wichtiger Daten und Informationen führte. Es ist die Zeitgeschichte, in der die Germanen unter dem Markomannenfürsten  Marbod in Böhmen siedelten.
Der informative deutschsprachige Museumskatalog wurde vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung: -  Investition in Ihre Zukunft – finanziert.

                                                                                          Hedwig Gemmrig


Die roten Punkte zeigen die ungefähren Fundstellen
 
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