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Das Rauschen der Wälder - Kopieren - Der Sudetendeutsche Heimatkreis Komotau

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Das Rauschen der Wälder - Kopieren

Das Jahr 2019
Huldigung des Erzgebirges an Kaiser Franz Joseph

Das Rauschen der Wälder
Zum 60. Todestag von Erzgebirgsmaler
Gustav Zindel
von Helmut Mürling

Gustav Zindel
Rodenau, ein Dorf auf der Höhe des Erzgebirges, hatte um die Wende zum 20. Jahrhundert 138 Einwohner. Was Oberplan für Adalbert Stifter, Gottesgab für Anton Günther und Komotau für Franz Josef Gerstner, das war Rodenau für den Erzgebirgsmaler Gustav Zindel: Herkunft und Geburtsstätte. Am     13. August 1883 erblickte er hier das Licht der Welt.
Gustav Zindel war ein begnadeter Künstler, der seine Erzgebirgsheimat über alles liebte und diese Liebe in seinen unzähligen Bildern, Zeichnungen und Illustrationen zum Ausdruck brachte. Doch floß in seinen Adern auch des Vaters Egerländer Blut, auch das zeigte sich in seinen Werken.
Sein Vater Gustav Adolf Zindel stammte aus Asch, im westlichsten Zipfel des Egerlandes. Seine Mutter Anna, geborene Weinelt war aus Rodenau.

Bauerntanz
Zuerst besuchte er die Volksschule in Platten. Bereits mit 6 Jahren zeigte sich sein Talent zum Zeichnen und Malen, indem er kleine Hefte mit charakteristischen Figuren und Gegenständen teils mit Blei- oder Buntstiften anfüllte. Nach Vollendung der Volksschule tauchte die Frage auf, was mit Gustav geschehen soll. Sein kunstsinniger Onkel aus Asch, welcher die Mittel dazu besaß, ermöglichte es, daß Gustav zum akademischen Maler Schottenhammer nach Komotau kam, um dort nach nicht ganz 2 Jahren an die Kunstgewerbeschule (heute Akademie) nach Nürnberg zu übersiedeln. Das war im November 1898. Die Eindrücke, die er in Nürnberg hatte, waren ausschlaggebend für sein späteres Leben. Schon im zweiten Jahrgang trat Gustav mit Bestleistungen hervor. Sein damaliger Professor (Hein) ersuchte ihn sogar, bei seinem Abgang dort zu bleiben, um ihm bei einigen größeren Wandgemälden zu helfen. Gustav aber sagte ab, was er später bereut hat. Als Maler war damals weder für Dekoration, noch Plakat oder Theater, nicht einmal als Volontär, eine Anstellung zu finden.
Faschingsumzug
Er ging heim nach Rodenau und machte sich selbständig, indem er für Zeitschriften, Postkarten, Diplome u.v.a. Entwürfe schuf. Er arbeitete sich so ein, daß er bald laufend beschäftigt war. Er malte auch Bilder und brachte sie an den Herrn. Das war bald selbstverständlich.
Zindels Malerkollegen bewundern seine Fähigkeit, Bewegungsabläufe von Tieren plastisch darzustellen. So sind zahlreiche Werke vom bäuerlichen Leben, von Sitten und Gebräuchen und von Erzählungen und Sagen entstanden.
Zindel hat in vielfältiger Weise seine nähere Heimat verewigt. So sind Motive des benachbarten Wallfahrtsortes Quinau mehrfach vorhanden, weil seine Auftraggeber bei Zindel jeder „sein“ Bild haben wollte. Auch die Bilder „Tischgebet“ und „Bergmannssegen“ mußten vielfach kopiert werden. Der Künstler äußerte oft: „Mit Kunst hat das nichts mehr zu tun.“
In oben angeführter Weise arbeitete er weiter bis zum Ersten Weltkrieg.

In dieser Zeit malte Zindel sein Gemälde „Die Huldigung  Erzgebirges an Kaiser Franz Joseph.“ Dieses Bild hat riesige Ausmaße: 3,10 mal 1,75 Meter. Zindels Schüler Adolf Sachs hat das Bild vor ca. 20 Jahren mit Brotkrume gereinigt und die Farben aufgefrischt. Es ist heute im Besitz des Egerlandmuseums in Marktredwitz. Als Dauerleihgabe kommt es ins künftige Sudetendeutsche Museum in München und wird dort an prominenter Stelle zu sehen sein. Weitere Werke sind im Besitz der Komotauer Stuben in Erlangen, des Egerland- Museums in Marktredwitz und des Karlsbader Museums.

Das Weihnachtsevangelium
Die Legende des Wallfahrtsortes Quinau
Die erste Ausstellung Zindels war 1909 im Museum Komotau.
1910 lernte Zindel Josef Hofmann Bürgerschuldirektor in Karlsbad kennen. Hofmann wurde durch die im Jahre 1906 auf dem Keilberg veranstaltete Jubiläums- Ausstellung mit dem Bild „Huldigung“ auf ihn aufmerksam. Hofmann ließ seine fotographischen Volkstrachtenstudien in ungefähr 10 Bildern umformen. Im Egerland war immer der Kammerwagen (Kommerwogn) ein Großereignis. Eine Braut zog zu ihrem Bräutigam. Dieses hat Zindel im Jahre 1910 festgehalten. Diese Darstellung besticht, wie immer, in der Liebe zum Detail.
Die Zeit des Ersten Weltkrieges verbrachte Zindel als Soldat einige Zeit in Salona bei Split in Dalmatien.

Auch in den Jahren danach arbeitete Zindel oft mit  Hofmann, zusammen. Es entstanden Aquarelle des Egerländer Volkslebens, welche die dortigen Sitten und Gebräuche dokumentieren. Das durch den verlorenen Krieg enttäuschte Bürgertum suchte einen neuen Bezug zur Heimat. Dem trugen Zindel als Maler und Hofmann als Buchautor Rechnung. Die Gemälde „Bauerntanz“, „Hochzeit“ und „Faschingstreiben“ sind Beweise dafür.
1926 heiratete er. Seine Gattin Marie Ausflug stammte aus Skupitz bei Postelberg. Die beiden hatten zwei Mädchen und vier Jungen.  
Im Jahre 1929 hat Zindel durch Ankauf und Ausbau eines Nachbarhauses die "Zindelbaude" erworben und sich darin ein eigenes Atelier geschaffen.
Federzeichnung "Hutznstub`"
Wallfahrt  in Quinau
Die „Zindelbaude“ entwickelte sich schnell zu einem beliebten Ausflugsziel. Künstler, Besucher und Feriengäste gaben sich die Türklinke in die Hand.
Bemerkenswert waren Zindels Federzeichnungen von Erzgebirgischen Sagen und Begebenheiten. Es entstanden beispielsweise die Werke „Der Hehmann“, „Der Teufel soll mich holen“ und „Der verhängnisvolle Maskenzug von Görkau“. Von der Geschichte der Quinauer Kirche zeichnete Zindel das Legende um den Hirten Josef Zein, aus dem dann die Quinauer Wallfahrt entstand.“
Zindels Tochter Elfriede Haberzettl erzählt von ihrem Vater: „Mein Vater war ein sehr naturverbundener Mensch…. Wenn er unterwegs war, hatte er immer Zeichenblock und Bleistift bei sich. Wenn ihm etwas faszinierte, malte er mit einigen Strichen eine kleine Skizze und schrieb Notizen dazu, um sie dann bei Gebrauch ins Gedächtnis zurückzuholen.

Er las gerne Bücher von Stifter, Ganghofer, Keller und Karl May. Schließlich war Vater auch Verwalter der Gemeindebücherei und führte die Heimatchronik.
An Winterabenden saß er mit uns Kindern manchmal in der Ecke hinterm Kachelofen und erzählte uns Geschichten vom Erdmännchen, kleinen Muck oder aus seiner alten Zeit...
Für das Mannesmannwerk in Komotau malte er das Ölbild „Pferdefuhrwerk im Schneesturm“, welches nach Indien kam, ein weiteres ging nach London…
Am Feierabend gönnte er sich immer eine Pfeife und blies  zur Freude von uns Kindern Rauchringe in die Luft. Musik und Gesang hörte er gerne.“


Der Bauer bestellt das Feld
erzgebirgsbauer
Zindel wäre auch, wie alle anderen vertrieben worden. wenn er nicht im Jahre 1946 an einem Leistenbruch erkrankt wäre. Er befand sich im Krankenhaus in Weipert und durfte in der Heimat bleiben.Leider brachte dieser Umstand Schikanen mit sich, denen alle Heimatverbliebenen ausgesetzt waren.
Gustav Zindel wurde am 24. September 1945 ins Landesinnere nach Rakowitz verschleppt.  Die ganze Familie (9 Personen) mußte Zwangsarbeit leisten. Der Vater war dort 1946 im Krankenhaus. In dieser Zeit holte ein Lastauto aus Görkau sämtliche Bilder von Gustav Zindel in Rodenau aus seinem Atelier und aus der Zindelbaude.
Dann kam Zindel nach Pomeisl bei Podersam. Dort bemühte sich die Familie Zindel wiederholt vergeblich um die Aussiedlung nach Deutschland.
Der Malerei ist Zindel dort trotzdem treu geblieben. Er schuf damals mit einfachsten Mitteln Aquarelle von den Ausläufern der Duppauer Berge zwischen Pomeisl und Watsch.
Zindel bekam keine Rente. Er musste sich und seine Familie mit der Malerei durchbringen.
Gustav Zindel hatte alles, was er bis 1945 geschaffen hatte, bis auf weniges, das Landsleute retteten, verloren.
Sohn Hans wurde 1948 mit anderen verbliebenen Deutschen für den Uranbergbau in Joachimsthal verpflichtet. Dadurch konnte die Familie nach Böhmisch Wiesenthal ins Erzgebirge übersiedeln.  Ein kleines Dachstübchen im Ortsteil Elend, in einem einstöckigen Fachwerkhaus auf einer grasigen Höhe am Fuße des Keilberges konnte er als Atelier einrichten.
Der älteste Sohn Gustav ist am 12.12.1958 an einem Herzleiden verstorben. Leider war es auch noch derjenige, der Begabung genug hatte, um des Vaters Erbe antreten zu können. Dem Vater fehlte schließlich die nötige Lebenskraft.
Es nahm ihm ein Stärkerer die Pinsel aus der Hand. Er kam schwerkrank ins Krankenhaus Weipert; am 21. November 1959 verlöschte sein Leben. In der Pfarrkirche in Böhmisch Wiesenthal hatte man ihn aufgebahrt. In den Händen hielt er seine Pinsel und seine Farbpalette. Viele Hunderte deutscher Landsleute begleiteten den Toten hinauf in den Gottesacker. Gleich seinem Freunde Anton Günther konnte er in die Heimaterde gebettet werden. So wie die Lieder vom "Tolerhanstonl" in die Lande klingen, wird auch das Wirken des Erzgebirgsmalers Gustav Zindel unvergessen bleiben.

Der Kommerwogn
Von den sechs Kindern waren zwei verheiratet. Im Herbst 1961 übersiedelte Marie Zindel nach Schmiedeberg, wo sie in einer Zwirnerei arbeitete. Am 17. Dezember 1967 konnte sie dann mit ihrer Familie in die Bundesrepublik Deutschland aussiedeln. Sie wohnte zuletzt in Schnaittach bei Nürnberg; dort starb sie am 28. März 1980.
Im Gemeindeamt in Böhmisch Wiesenthal befindet sich eine kleine Ausstellung, mit der das  Andenken an den wohl berühmtesten Einwohner des Ortes liebevoll erhalten wird.
Im Jahre 1983 zeigte man in Komotau /Chomutov zu Zindels 100. Geburtstag eine Ausstellung. Es folgten weitere Ausstellungen in den Jahren 1991 im Deutsch- Tschechischen Begegnungszentrum und 2009 im Regionalmuseum Chomutov/ Komotau unter Federführung von Direktor Déd. Weitere Ausstellungen fanden im Egerlandmuseum Marktredwitz mit Bildern aus Karlsbad, Neudek, Elbogen und Erlangen statt.

Blick vom Buttersteig auf Komotau
Seit dem Sommer 2019 gibt es im Erzgebirge eine Gedenkanlage am Wege von Rübenau nach Natschung/Nacetin.  Unmittelbar vor der Grenze auf der einstigen „Neutralen Straße“, dem alten Handelsweg, wo seit 2010 die Gedenkstätte „Altes Zollhaus“ steht, ist die Gustav-Zindel-Gedenkanlage“ entstanden. Für viele sind dies neue Kenntnisse, zum Beispiel, dass der bekannte Maler Gustav Zindel nicht weit von hier in Rodenau gelebt hat und erfahren gleichzeitig einiges über das böhmische Erzgebirge mit seiner deutschen Geschichte. So wird dem Vergessen entgegengewirkt, denn wie heißt es doch: wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen!  Sicher wird das Gelesene auf der Gedenktafel für Gustav Zindel im Erzgebirge weitergetragen. Wie gut, dass es sie gibt!  Ein Dank an alle, die dabei mitgewirkt haben.
In den jüngsten Tagen kreierte die UNO in fünf Teilregionen das böhmische Erzgebirge zum Weltkulturerbe. Für Gustav Zindel mag das posthum auch eine Bestätigung für sein Wirken sein.
60 Jahre sind es, seit er von uns gegangen ist. Wir wollen dessen gedenken.

Helmut Mürling
November 2019





Osterreiten
Vertreibung
Der Gratulant (Neujahrsbrauch)
"Komm Heer Jesu , sei unser Gast"
Der letzte Erntewagen
Grab in Böhmisch Wiesenthal
Gedenkanlage bei Rübenau
 
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