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Die Pestsäule in Komotau - Der Sudetendeutsche Heimatkreis Komotau

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Die Pestsäule in Komotau

Pestsäule bei Nacht
Die Pestsäule in Komotau

Corona ist in aller Munde. Die Seuche hat uns fest im Griff. Trotz moderner Errungenschaften der Medizin muß erst ein Impfstoff dagegen gefunden werden (April 2020). Menschen in aller Welt hoffen auf das beste.
Seuchen wie Pest, Cholera, Typhus und asiatische Grippe haben die Menschen in vielen Jahrhunderten heimgesucht. Die Pest war auf einmal da, die Bevölkerung ganzer Landstriche wurde dahingerafft, um dann genauso plötzlich, wie sie gekommen war, wieder zu verschwinden. Besonders schwerwiegend war die Seuche nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Aber auch schon im Jahre 1588 wird von einer Epidemie in Görkau berichtet, als beim Faschingszug gotteslästerliche Rufe fielen. Die Pest brach daraufhin aus und 450 Personen starben.
Es gab viele Riten, die Gott gnädig stimmen sollten um die Menschen vor dieser Krankheit zu verschonen. Aber auch Bauwerke, die Pestsäulen, wurden im 17. Jahrhundert in fast allen Städten Böhmens errichtet. Sie stehen immer auf zentralen Plätzen, wie in Komotau auf dem Marktplatz. Meist bestehen sie aus einer Mittelsäule mit Marienfigur. Um diese Säule sind Heiligenfiguren gruppiert. Die Pestsäule in Komotau vereinigt wesentlich mehr Elemente aus der biblischen Geschichte und den Heiligenlegenden als woanders.
Die Säule wurde im Jahre 1697 von den Eheleuten Wolf gestiftet. Die Sandsteinarbeiten führte der Meister Ambros Lorenz aus dem Steinmetzdorf Tschernowitz aus. Endgültig fertig war sie erst im Jahre 1732. Die 10,34 m hohe Säule zeigt die hl. Dreifaltigkeit zusammen mit der hl. Familie. Aus diesem Grunde wird sie eigentlich eher Dreifaltigkeitssäule genannt. Auch "Mariensäule" ist ein gängiger Name.
Auf dem Kapitäl ruht die Erdkugel, umwunden von einer Schlange, deren Kopf mit dem Apfel weit hervorragt. Auf dem Kopf der Schlange setzt das Jesuskind seinen Fuß, das Kreuz mit den  Händen fassend um damit den Schlangenkopf (den Satan) zu zerschmettern. Dem Kinde zur Rechten die Gottesmutter, zur Linken die Großmutter Anna. Dahinter steht der hl Josef. Über dieser Gruppe schwebt Gott Vater und, segnend die Hand erhebend und der hl. Geist, durch eine Taube dargestellt.

An den Ecken der Säule stehen:

1. Johannes der Täufer, dargestellt mit Kreuzstab und Schlange, Patron vieler Länder, Städte und Stände.
2. Johannes Nepomuk, Schutzpatron Böhmens, Brückenheiliger, Fürbitter gegen Verleumdung und bei Wassernot. Dargestellt ist Johannes Nepomuk als Priester mit Kruzifix.
3. Die hl. Katharina bekannte unter Kaiser Maxim (307-313) standhaft ihren christlichen Glauben. Durch ihre Überzeugungskraft bewirkte Katharina viele Bekehrungen zum Christentum. Sie war Märtyrerin durch das Schwert. Katharina wird als Patronin der Wissenschaften verehrt. Dargestellt ist sie mit Krone, zerbrochenem Rad und einem  Schwert.
4. Die hl Rosalia, Jungfrau aus Palermo, aus dem Königshaus der Karolinger verließ das höfische Leben, um als Einsiedlerin Gott zu dienen. Ihr heiliger Leichnam wurde 1624 in einer Höhle bei Monte Pelegrino gefunden und nach Palermo gebracht. Die dort herrschende Pest hörte daraufhin sofort auf. Die hl. Rosalia ist dargestellt mit einem Kreuz in der Rechten und einem Kranz von Rosen auf dem Haupt.

Die Heiligen auf der Kanzelle stellen dar:

Zur Ignatiuskirche hin:

1. St. Wenzeslaus regierte 920 - 936 als Herzog von Böhmen. Er beschloß sein segensreiches Wirken für die Kirche mit dem Martyrertod in Altbunzlau.  Dargestellt ist er mit Speer, Fahne und Schild.
2. Auf der gleichen Seite steht St. Florian, geboren im 3. Jahrhundert. Er erlitt den Martyrertod in den Fluten der Enns. Bekannt ist Florian als Patron gegen Feuersbrunst.

Zum Rathaus hin:

3. St Rochus lebte im 13. Jahrhundert  und stammt aus Montpellier. Als junger Mann verlor er seine Eltern. Das ererbte Vermögen verschenkte er den Armen. Rochus pilgerte nach Italien, wo gerade die Pest wütete. Er pflegte die Pestkranken, wurde aber angesteckt. Er floh in den Wald in eine Hütte. Ein in der Nähe wohnender Edelmann bemerkte, daß sein Hund ein Stück Brot zum hl. Rochus brachte. Der Edelmann nahm sich daraufhin des Heiligen an und pflegte ihn bis zur völligen Genesung. Darau pflegte St. Rochus die Pestkranken in vielen Städten Italiens. In seiner Vaterstadt hielt man ihn für einen Spion und warf ihn fünf Jahre ins Gefängnis. Dort verstarb Rochus nur 32 Jahre alt. Der hl. Rochus ist Schutzpatron der Pestkranken. Hier ist ein Bezug zur Pestsäule. Dargestellt ist er als Jüngling mit Pilgerstab, Pilgerhut und -Tasche, ein Hund auf seiner Seite mit Brot im Maul.
4. St. Leonardus war ein fränkischer Edelmann am Hofe von König Chlodwig (511). Auch Leonardus war Einsiedler und setzte sich vor allem für die gefangenen im Kerker ein. Dargestellt ist St. Leonardus mit Ketten in der Hand, Pferde und Rinder zu seinen Füßen.
5. St. Franziskus Xaverius, geboren am 3.12.1506 auf Schloß Xavier/ Spanien. Er sollte- vom Papst gesandt- in Indien das Christentum verbreiten. Er verstarb- 46 jährig- in Kanton an Fieber, noch bevor er seine Mission beginnen konnte. Dargestellt ist Franziskus wie Rochus mit Kreuz in der Hand. Er wird gegen Pest und schlechte Witterung angerufen. Hier ein weiterer Bezug zur Pestsäule.
6. Der dritte Johannes auf der Pestsäule ist der Bruder des Apostel Paulus (Johannes und Paul). Sie erduldeten gemmeinsam um 362 das Martyrium. Beide sind Patrone gegen die Naturgewalten. Dargestellt ist Johannes auf Wolken, aus denen Blitz, Hagel und Sturm zu sehen sind.
7. St Viktor, Stadtpatron von Komotau, dargestellt als Jüngling mit Palme geschmückt und Tunika und losem Mantel gekleidet.

Die Dreifaltigkeitssäule stand früher an einem anderen Platz, vor der Einfahrt zur Frohngasse, in Richtung Ignatiuskirche. Sie wurde 1962 im Rahmen von "Verschönerungsarbeiten" in die Richtung zum Stadtturm auf einen weniger zentralen Platz versetzt. Dem Verfasser ist nicht bekannt, ob die Heiligenfiguren heute noch in der oben aufgeführten Richtung stehen.
Es wäre vorstellbar, dass nach der Corona- Pandemie eine entsprechende mehrsprachige Gedenktafel an die Pestsäule angebracht werden würde.



Mariensäule, Stadtturm und Dekanalkirche
1939
Die hl Dreifaltigkeit und
die Gottesmutter
Fronleichnamsaltar an der Pestsäule (2007)
Nach einem Ölbild
der Brüder Hennlich
Kirchenmaler in Komotau
Mariensäule in Liebisch +
Zeit der Vertreibung 1945/46
Deutsche mußten weiße Armbinden tragen
Säulenkopf und Stadtturm
Die Statue an der
ursprünglichen Stelle
vor der Frohngasse
Mariensäule in Sebastiansberg
Mariensäule in Görkau
Werk von Johann Brokoff
Säulenkopf
Mariensäule in Eidlitz
 
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