Das Froschfest in Michanitz

von Irmgard Neukirch

Fotos von Franz Wenisch

Ursprung und Bedeutung des Festes ist mir nicht bekannt. In den dreißiger Jahren war ich einige Male dabei und immer war es ein erlebnisreicher Tag. Viele Menschen kamen oft von weit her zu Fuß, per Rad oder die Bauern mit dem Landauer. Es war einfach ein Treffen für Jung und Alt. Dann war der Ort in Feststimmung. Mitten auf dem Dorfplatz war ein Ringelspiel und eine Schiffschaukel aufgebaut und darum herum verschiedene Buden zur Belustigung und Unterhaltung. Junge Burschen hatten später Wachsblumen anstecken, die sie bei der Schießbude geschossen hatten.
 
Am Vormittag wurde für die Bauern eine Andacht in der kleinen Kirchkapelle abgehalten. Dafür war eigens ein Pfarrer aus Komotau per Rad gekommen. Es galt die Bitte um gute Ernte. So schätze ich, daß das Fest etwa Juli/August stattfand. Sobald die Leute aus dem Kirchlein kamen, fing der Betrieb auf dem Dorfplatz an und die Musik lockte zur Teilnahme.
Beim Bauer Viererbl waren an diesem Tage alle Diejenigen gerne gesehen, die einigermaßen bekannt waren, oder auch nur „Guten Tag" sagen wollten. Dafür war die gute Stube geöffnet, wo ein Grammophon stand. Nebenan im Esszimmer war eine lange Tafel weiß gedeckt, mit vielen Stühlen darum herum. Auf dem Tisch standen Teller mit Bergen von kleinen runden, bunten Kirmeskuchen. Jeder Gast durfte sich bedienen und es war ein ständiges Kommen und Gehen.

 

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Die Froschfänger mit zwei in Ketten gelegten Fröschen und die befreiten Jungfrauen

 

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Der ochsenbespannte Wagen mit Festteilnehmern unterwegs zum Michanitzer Teich

 
Es ging aber auch recht lebhaft zu, denn alle hatten etwas zu erzählen. Der Leierkastenmann war stets zum Essen bei Viererbls eingeladen. Auch er mischte sich unter die Gäste. Seine Geschichten und Grimassen brachten alle zum Lachen, denn er war weit herumgekommen und wusste viel Neues und Spaßiges zu berichten.
Am Nachmittag fand dann das Spektakel auf dem Teich statt. Zeitig bewegten sich die Menschenmassen dort hin. Jeder wollte einen guten Platz haben, um das Spiel gut verfolgen zu können. So war der Teich lange vor Beginn mit unzähligen Schaulustigen umgeben.

Zum Spiel selbst : Die Jungmädchen des Ortes durften einmal im Jahr ihre Jungfräulichkeit feiern und mit einem Floß über den „See" fahren. Die Mädchen trugen lange, weiße Gewänder und hatten Blumenkränze auf dem Kopf. Dabei sangen sie schöne Lieder. Im Schilf lauerten aber 2 Unholde, nämlich Frösche, die diese Mädchen rauben wollten, um sie in das Reich der Frösche zu entführen. Die Absicht wurde rechtzeitig entdeckt und es fanden sich Beschützer auf einem Floß ein, um den Kampf gegen die bösen Frösche anzutreten. Das war natürlich nicht leicht getan und es ergaben sich viele Verwicklungen, die jeden Angriff erschwerten. Die Frösche wurden jedoch schließlich gefangen und an Land gebracht. Damit waren die Mädchen befreit. Das war nach gut zwei Stunden der Abschluß. Mit Blasmusik marschierten Zuschauer und Spieler in das Dorf, wo das „gute Ende" gefeiert wurde.

 

 

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Froschfest in Michanitz. Gemeindevorsteher (Bürgermeister) Fred Hansmann geht dem Festzug voran

Alle Spieler trugen Kostüme und waren geschminkt. Die Frösche waren besonders gut anzusehen, außerdem quakten sie so echt nach Froschart. Von den Zuschauern gab es viel Beifall zwischendurch und für die gelungene Darbietung. Mit den Spielern und der Blasmusik wurde dann der Tanzabend im Wirtshaus Hampel am Dorfeingang eingeleitet.

Nach 1939 wurde dieses Fest nicht mehr gefeiert.