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Ansprache Stanislav Déd - Der Sudetendeutsche Heimatkreis Komotau

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Ansprache Stanislav Déd

Erneuerung des Kriegerdenkmales in Krima
Beitrag vom Ing. Stanislav Děd im Facebook vom 27.10.2019

Erneuertes Denkmal in Krima
Blasmusik, Scharfschützen, Vereine, viel Besucher, das war die Kulisse bei der Enthüllung des Denkmals der gefallenen und verletzten Soldaten des 1. Weltkrieg in der erzgebirgischen Krima. Dank der unermüdlichen Arbeit des Petr Himmel, Otto Macak und des Restaurator Jelínek, konnte der Bürgemeister Milan Váňa das erneuerte Denkmal enthüllen. Aus dem ursprünglichen wurden die Namen und Angaben abgemeißelt. Die Schuld wurde beglichen.

Ich hatte die Ehre eingeladen zu werden und konnte ein paar Worte sagen:

Sehr geehrte Besucher der heutigen Feierlichkeit, die Gemeinde hat mich um eine Ansprache gebeten, danke und gerne komme ich dieser Bitte auf meine Art nach.
Die Geschichte ist eigentlich eine schwierige und nicht fassbare Angelegenheit. Es ist keine Liste fertiger Einweisungen, die wir einmal in der Schule lernen und dann als ziemlich abgenutztes Heft bis zum Tode aus der Schublade ziehen, immer dann wenn es nötig ist.   Neben dem Schulheft bewahren wir dort auch ein Buch über alte Volkssagen und Mythen aus dem uns früher unsere Mutter vor dem Eischlafen vorgelesen hat. Wir hörten daraus ein schönes Echo vergangenen Ereignisse  und Kämpfe, heldhaften Feldherren, Könige, großer Nationalsiege und tragischer Niederlagen, bei denen Schauplätzen und Denkmälern wir uns    als erwachsene oft versammeln. Warum eigentlich? Überwiegend um sich in der Überzeugung zu bestätigen, dass wir verdienterweise gesiegt oder unverdienterweise verloren haben. Es ist lieb und bequem, etwas wie ein Sonntagsfilm für Zeitzeugen, der uns so menschlich nach dem Essen durch die Geschichte begleitet. Beachten Sie aber bitte, dass die Geschichte nicht so ist. Sie ist alles, nur nicht eine Versammlung der, für immer und alle, geltende Wahrheiten.   
Die Vergangenheit zwingt uns, unterschiedliche Einsichten auf gleiche Ereignisse auf, gleiches Ereignis ruft in uns verschiedene Emotionen auf und unterschiedliche Bewertung.  
Was erst dann, wenn es sich um Ereignisse handelt, die wir selbst nicht erlebt haben.
Es ist dabei wichtig, sich klar zu sein, wie wir die Geschichte und Vergangenheit betrachten.  
Wie wenig wissen wir über die Motive des menschlichen Handelns, nach welchen Maßstäben urteilen wir über die Vergangenheit. Nach den Maßstäben der Zeit? Nach der Sicht der heutigen Zeit? Wie objektiv kann es eigentlich sein? Genauso wie existiert nicht „eine Vergangenheit“, existiert nicht „eine unsere Zeit“. Jeder von uns bewertet sie nach eigenen Erfahrungen, eigenem Charakter, eigener Erziehung, eigenen Ausbildung. Deswegen hat der inspirativer tschechischer Historiker, Dušan Třeštík über den „Bedarf des geschichtlichen Denkens“ gesprochen, also der Notwendigkeit immer wieder die Beziehung zur  Geschichte nach eigener Beziehung aber auch als Gemeinschaft zu entwickeln. Genauso wie Sie, betrachte ich unser heutiges Treffen. Meistens wir bei solchen Anlesen
gesagt: „Das Vaterland ehrt seine Söhne!“. Ich frage mich aber, ist es dem auch heute so?
Der Jesuit Bohuslav Balbín oder der Philosoph Bernhard Bolzano würden bestimmt sagen ja.
Bolzano lehnte eine Identität der gleichen Sprache und des gleichen Blutes ab. Er bot die Identität, begründet mit auf dem ländlichen Patriotismus zum Vaterland Böhmen, zu dem sich sowohl die Tschechen wie die Deutschen melden können, an. Die Geschichte des 19. und 20. Jahrhundert hat gezeigt, dass in seinem Denken mehr Wahrheit beinhaltet war, als seine Zeitgenossen fähig waren zu begreifen. Gerade in unserer Gegend ist diese Einstellung vielen sehr eigen.   
Wer waren die fünfzehn Männer, die gefallenen Soldaten Robert Pilz, Karl Hannersdörfer, Ernst Barth, Karl Bittner, Otto Faßl a Fritz Krombholz, die vermissten Edwin Richter a Josef Neumann, die verletzten Karl Kräupl, Josef Donner, Bruno Grütner, Josef Garth, Edwin Robert Pilz, Josef Uhlig a Josef Neuman? Es waren Söhne dieses Landes, welches deren Heimat und Vaterland war, welches sie in Dienst berufen hat und sie sind gegangen so, wie es die Gesetze verlangten.    
Sie sind gegangen in ein schreckliches, bis dahin  in der Geschichte nicht gekanntes Gemetzel, ausstattet mit dem abgenutztem Schulheft der Geschichte und dem Andenken an das mütterliche Vorlesen. Sie haben den Pflug, die Axt, die Maschine in der Werkstatt, den Geschäftsladen, den Büroschreibtisch verlassen um für ihren Kaiser und das Vaterland zu kämpfen. So war deren damalige Welt. Dem allen standen die gleichen Menschen gegen über, mit gleichem Schulheft und gleichen mütterlichen Volkssagen. Auch sie hatten ihre eigene Wahrheit. Welche mehr bedeutet hat, haben sie nicht gewusst.  
Heute nach 100 Jahren ist das nicht das wichtigste. Es kamen andere Wahrheiten auch andere Kriege. Es blieb jedoch allgemein menschlicher Apell, dass den Toten auf dem Schlachtfeld gehört die Ehre jener, für die sie gefallen sind.  
Heute stehen wir hier vor dem erneuerten Denkmal, der trägt den Apell, mit dem sie deren Gemeinde geehrt hat: „Unseren Helden!“ Wir stehen hier, die Tschechen und die Deutschen, genau im Geist der Balbín und Bolzano Tradition des ländlichen Patriotismus zur vergangenen Bohemia / Böhmen, die ein gemeinsames Vaterland mit der gemeinsamen Geschichte waren.   
Ich möchte glauben, dass wir sie wieder auch als unsere toten betrachten und ich würde mir wünschen, dass wir die gleiche Beziehung der Ehre wie zu diesen toten Vorfahren, auch zu Ihren Eltern, Geschwistern und Kindern die auf dem örtlichen Friedhof ruhen, erweisen.
Ich weiß, dass es nicht leicht ist, aber auch dafür ist schon die Zeit angekommen. Mit den Fotos des örtlichen Friedhofs, möchte ich die feierliche Stunde nicht trüben.

 
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