Die Vogelwiese - Der Sudetendeutsche Heimatkreis Komotau

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Die Vogelwiese

Die Stadt Komotau
De Vuglwies in Kumetau
Nach Gerhard Steiner in der Komotauer Zeitung 7/91
Kaum etwas fesselte uns Kinder so wie "de Vuglwies". Schon Tage vor dem Beginn trafen die ersten Wagen ein, von uns - wenn immer möglich - fachmännisch begutachtet. Nach und nach wußten wir schon bei der Ankunft, um welches Fahrgeschäft es sich oder dergleichen es sich handelt. Besonders in Erinnerung sind mir noch die Fahrzeuge der Fa. Lehnert. Es waren die größten, schönsten und saubersten, mit einem für die damalige Zeit komfortablen Wohnwagen. Der Kettenflieger, eine Schießbude und de 2 gruße und de klaane Tschaugl" gehörten dieser Firma. Nach und nach füllte sich der Sportplatz bei der Jahnturnhalle.
Die Teufelsmühle, eine Gespensterbahn (so hieß die früher), ein Riesenrad, manchmal eine Achterbahn (ohne Doppe- Loopings), die elektrischen Autos, die Motorrad Todeswandfahrer, ein paar Ringelspiele, einige Buden mit Variete- und Attraktionsschau´s, die Planetenbahn und für uns "Bossen" am sehnlichsten erwartete "Krummels Box- und Ringarena" (oder so ähnlich), harrten der Eröffnung.
War das spannend, als die Muskelprotze draußen vorm Zelt standen und lauthals als alle möglichen Meister angekündigt wurden. Mutige Männer aus dem Publikum wurden gesucht, die es mit den zur Truppe gehörenden Männern aufnahmen. Der "Rott Polizei" meldete sich öfters und gewann auch; aber auch gekaufte Leute, Leute aus dem Publikum traten an und verloren natürlich- mußten verlieren.
Der Star war die "schwarze Maske", scheinbar unbesiegbar. "Nu, wer wagt es gegen Mann mit schwarzer Maske- Kampf bis zur Entscheidung, Prämie 200 Kronen!" Auch Bruder "Josef" und Bruder "Anton" gab es, nur waren die Preise gestaffelt, z.B. 100 Kronen oder gar nur 50 Kronen.
Obwohl eines der kleinsten und einfachsten Ringelspiele, so war es doch der Anziehungspunkt für Alt und Jung, reizte zum Mitsingen:  "Dr Heitgitsschee" mit seiner Fraa", so tönte es.  "Im Wirtshaus sitzen s Geld verschwitzen, obr Heitgitsschee..." so tönte es. Und darauf saß der "Heitgitschee". Wie ein Fürst thronte er mit schwarzem Zylinderhut und einer Ziehharmonika auf seinem Ringelspiel. Er wurde unterstützt von seiner emsigen Frau- sie drehte die Kurbel und sang "obr heit obr heit obr heit git schee..." und kassierte! Sie gehörte zur Vuglwies und war nicht wegzudenken. Ganz nebenbei gesagt, hatten die beiden einen ganz bürgerlichen Namen ! Er hieß Josef Anderle, der Anderle Seff , und wohnte in der Wassergasse 6; von seiner Frau kennen wir keine näheren Angaben.
Wieder zurück zur Vuglwies! Viele Zuckerlebkuchen, türkischen Honig, gebrannte Mandeln und Eis gab es. Auch eine Fischbude mi Delikatessen vom Kalla und natürlich einen "Werschtldompfer" mit Mittelbach- Würsteln. In der Veranda spielte eine Kapelle- ich glaube von Müller- ihre flotten Weisen.: "Dorfschwalben aus Österreich", "Es war einmal ein Musikus", "Rosamunde" ... flotte Walzer und Märsche.

 
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